Neubau Wohn- und Gewerbeüberbauung „Zollstrasse“ Zürich

  • Auftraggeber
    Baugenossenschaft Kalkbreite Zürich
  • Wettbewerbsverfahren
    Offener Projektwettbewerb 2015: 7. Preis
  • Verantwortliche Partner
    Matthias Baumann & René Bosshard
  • Projektteam
    Judith Hopfengärtner (PL), Antonia Forster, Franziska Gallien, Laura Kälin
  • Akustik
    BAKUS Bauphysik und Akustik (Zürich)
  • Visualisierung
    nightnurse images GmbH (Zürich)

Das Zollhaus wird von den zahlreichen in den Bahnhof ein- und ausfahrenden Zugreisenden als prominentes Zeichen einer neuen Wohnkultur in Zürich wahrgenommen. Unter städtebaulichen Gesichtspunkten bildet es vom Gleisfeld her zusammen mit den zukünftigen Bauten der Zollstrasse Ost zugleich Abschluss und Gesicht des Industriequartiers Ost sowie ein Gegenüber zur Europaallee.
Das neue Gebäude wird in seiner Volumetrie und Materialität als prägnanter Eckpunkt des östlichen Industriequartiers ausgestaltet und stellt in seiner Höhenstaffelung, Gliederung und Massstäblichkeit den Bezug zum städtebaulichen Kontext her. Materialität und Fassaden nehmen Bezug auf die meist gewerblichen Klinkergebäude, die das Quartier durchsetzen. In den Fassaden wird das Thema des Erkers in einer wellenartig bewegten Kontur weiterentwickelt. Zur Zollstrasse hin dienen die Erker zur Belichtung und Besonnung von nördlich ausgerichteten Wohnungsteilen sowie der Herstellung von Sichtbeziehungen entlang des Strassenraums. Leichte Knicke in der modulartig aufgebauten Fassade aus «ausgestülpten» Zimmern und eingezogenen Loggien erzeugen im Vorbeifahren eine reizvolle Facettierung. Aus der Nähe betrachtet entfaltet dieses Spiel seine räumliche Vielschichtigkeit für Bewohner und Besucher auf der Gleisterrasse und aus den Wohnungen.
Die im Programm formulierte bewusste Beschränkung von individuell zugeordneter Fläche und Infrastruktur steht in spannungsvollem Kontrast zur angestrebten Grosszügigkeit durch möglichst viele Synergien durch kollektiv nutzbare Räume. Das Prinzip der Gebäudestruktur spiegelt das im Programm definierte Prinzip der Reduktion von Individualbereichen zugunsten grosszügiger und flexibel nutzbarer kollektiver Flächen. Die rechtwinkligen, modulartigen Individualbereiche bilden in ihrer leichten Verdrehung zueinander die Basis für die räumliche Konfiguration der Wohngeschosse. Sie werden durch kollektiv nutzbare Räumen in einer spannungsreichen Geometrie verbunden. Die Wohnungen reflektieren die Auffassung der Genossenschaft von knapp dimensionierten Individualbereichen (Zimmer) und grosszügigen Gemeinschaftsbereichen, welche die Zimmer ‚umfliessen’. Fast alle Wohnungen sind über aneinandergrenzende Eingangsbereiche oder Vorzonen der Zimmerschicht zusammenschaltbar. Die Zimmertrennwände sind nichttragend ausgebildet und bieten maximale Flexibilität.
Die Eingänge der öffentlichen Kultur- und Gewerbeflächen sind zur Zoll- und zur Langstrasse angeordnet. Das Kulturrestaurant bildet mit dem Theater und dem Foyer eine multifunktionale räumliche Einheit in der Gebäudemitte. Mehrere Patios entlang der südlichen Grundstücksgrenze ermöglichen eine attraktive Belichtung der Restaurant- und Theaterzone. Sie bieten Orientierung und spannende Ausblicke auf das Gleisfeld.
Die vier Treppenhäuser des Gebäudekomplexes sind von der Zollstrasse aus zugänglich und bilden jeweils eine klar erkennbare Adresse aus. Über die beiden grosszügigen Freitreppen gelangen Bewohner und Besucher zur Eingangshalle auf der Gleisterrasse. Die im mittleren Gebäudeabschnitt gelegene Eingangshalle mit Briefkästen und angelagertem Café, Betriebsbüro und Waschsalon ist der zentrale Begegnungsort des Gebäudes. Die von Süden über die Gleisterrasse erschlossene Halle mit kreuzförmigem Grundriss verbindet einerseits die beiden Treppenhäuser des mittleren Gebäudes und gibt gleichzeitig den Blick quer durch das Gebäude mit Blick auf die Zollstrasse frei. Ein gedeckter Lichthof im Zentrum der Anlage ermöglicht Einblicke von oben in die Halle.