Anni Albers, Entwurf für einen Wandbehang, 1925

GISA Siedlung Affoltern, Zürich

  • Auftraggeber
    Baugenossenschaft GISA, Zürich
  • Wettbewerbsverfahren
    Projektwettbewerb mit Präqualifikation 2021, 1. Preis
    ARGE mit Esch Sintzel Architekten, Zürich
  • Wettbewerbsteam
    Benedikt Rigling, René Bosshard,
    Lars Aebersold, Charlotte Decker, Zehra Ter
  • Programm
    Neubau mit 232 Wohnungen, Altenzimmer, Doppelkindergarten, Genossenschaftscafé, Ideenhaus
  • Landschaftsarchitekt
    KOLB Landschaftsarchitektur
  • Fachplaner
    Holzbauingenieure: Merz Kley Partner, Altenrhein
    Nachhaltigkeit: durable Planung und Beratung, Zürich
    Brandschutz: Quantum Brandschutz, Basel
    Klima- und Energietechnik: Todt Gmür+Partner, Schlieren
    Akustik: Wichser Akustik & Bauphysik, Zürich
  • Visualisierung
    Filippo Bolognese Images, Mailand

„Quer zur Binzmühlestrasse liegende Zeilen bilden zwei Eingangsplätze, zwei Gassen und drei Gartenhöfe. In Längsrichtung dazu schützen Kopfbauten die Freiräume vor Lärm, übernehmen mit ihrer relativ kleinen Kubatur den Rhythmus von Volumen und „hervorquellendem“ Grün der gegenüberliegenden Bebauung und betten damit die Grossform im Vergleich zu anderen Projekten konfliktarm in den Kontext ein. Die klare Adressen bildende – „jedem Kind verständliche“ – Grundkonzeption städtebaulicher Archetypen wird überlagert durch räumliche Querverbindungen („aus der Froschperspektive wahrnehmbare Querungen und Schleichwege“), durch die ganze Siedlung hinweg. Sie führen auch zu den Rändern, wo sich als Anschluss zu den umliegenden Quartieren Sondernutzungen finden die durch bestehende Häuser und Bäume ausgezeichnet sind. Ein sehr schöner zweigeschossiger Kindergarten, ein „Ideenhaus“ im Altbau an der Südostecke, das Seniorenhaus an der Hürststrasse und an der Südwestecke ein Provisorium für temporäres Wohnen bilden überzeugende Anschluss- und Auftaktpunkte. Das Torhaus an der Neunbrunnenstrasse beherbergt eine der Einfahrten zur Tiefgarage sowie drei günstige Kleinwohnungen.“

„Als Leitmotiv des Projektes wirkt das Ordnungsprinzip eines Teppichs von Annie Albers. Interessant an dessen räumlicher Umsetzung ist die Balance zwischen den Nord-Süd-Räumen (gross, klar gefasst, öffentlich, siedlungsgemeinschaftlich) und den Ost-West-Räumen (feinteilig, offen, informell, hausgemeinschaftlich)  mit offenen Treppenhäusern, privaten Gartenlauben und wohnungsinternen Raumbezügen, welches die Grafik in sinnstiftende Funktion überträgt. Sie verbildlicht ein Prinzip, dem alle Aspekte des Projektes folgen, vom Pflanzkonzept über die Schnittbildung bis zu den Wohnungsgrundrissen.“

„Insgesamt erfreut das Siedlungskonzept „Anni A.“ durch das Spannungsfeld zwischen einfacher und zwingender Klarheit und einer feinfühligen, bis ins Detail gedachten Umsetzung. Es zeigt ein abwechslungsreiches Spiel von grossen und kleinen Häusern, von engen und weiten Räumen, die damit sowohl das umgebende Quartier reflektieren wie auch im Siedlungsinneren klare Hierarchien und Zuordnungen schaffen und damit ideale Voraussetzungen schafft für ein aktives, nachbarschaftliches Wohnen. Die – auch atmosphärische – Vielfalt des Angebotes an halböffentlichen, halbprivaten und privaten Freiräumen, an offenen Laubentreppen als informelle Begegnungszonen, an Terrassenlauben als private Geschossgärten, an Gassen, Plätzen und Gartenräumen, an Querungen und Längssichten schafft eine eindeutige Identität und regt die Phantasie an, was hier alles passieren kann.“

(Auszug aus dem Jurybericht)